„Time flies“ und Apple demonstriert wieder einmal seine Marktmacht

Anna Priester
Junior Projektmanager
Marketing & Events

Es ist eines der größten Events des Jahres in der Tech-Industrie: Apple’s alljährliche Keynote im Herbst, bei der neue Produkte und Services vorgestellt werden. Schon Wochen vor der Veranstaltung werden die wildesten Spekulationen aufgestellt, was angekündigt werden könnte. Die Ankündigungen an dem Tag selbst sind dann meistens nicht mehr allzu überraschend oder gar schockierend. 

Dieses Jahre war es anders – wie alles andere im Jahr 2020 bisher. Nicht nur, weil es zum ersten Mal ein rein digitales Event war, sondern auch weil das Unternehmen keine neuen iPhones vorgestellt und zumindest ein ein paar Player aus der mobilen Industrie geschockt hat: Unternehmen aus der Subscription-Economy wie Spotify und Entwickler. Lest weiter, um zu erfahren, warum und um einen Überblick über Apple’s wichtigsten neuen Produkte und Services zu erfahren.  

Apple One – Große Konkurrenz für Abonnementdienste

Es war das Thema des Events: Apple One, ein neuer Abo-Dienst, der Apple Music, Apple TV Plus, Apple Arcade, Apple News Plus zusammenführt und mit dem Abonnenten außerdem noch weiteren iCloud Speicher on top erhalten. Es ist verführend: Für nur $14.95 im Monat haben Nutzer Zugang zu einem Paket an beliebten Produkten. Während iOS Nutzer glücklich darüber sind in Zukunft Geld zu sparen, indem sie ihre Abonnements bequem bündeln, sind diese “Abo-Bundles” zum Discountpreis ein Schlag ins Gesicht für alle Firmen, deren Geschäftsmodell das Angebot von ähnlichen Abo-Diensten ist. Diese befürchten nun, ihre Nutzer an Apple zu verlieren, da der Tech-Riese die Marketingkraft hat, dieses Bundel kräftig zu bewerben und stark am Markt zu positionieren.  

Spotify als einer der wichtigsten Anbieter von Musik-Streaming und Mediendiensten hat sich kurz nach der Veranstaltung öffentlich geäußert und Apple beschuldigt, „seine marktbeherrschende Stellung und unlauteren Praktiken zu nutzen, um Wettbewerber zu benachteiligen und Verbraucher durch Begünstigung seiner eigenen Dienste zu benachteiligen“. Es bleibt abzuwarten, in welchem Ausmaß Apple seine führende Marktposition mit dem lukrativen Dienste-Geschäft weiter stärken wird und die Nutzer noch tiefer in das Apple-Ökosystem hineinziehen kann.

Quelle: Apple

Apple Fitness+ – Apple fordert die digitale Fitness-Branche heraus

Von Apple One kommen wir direkt zu Apple Fitness Plus: Apple’s eigenem Workout-Dienst, welcher als Teil von Apple One erhältlich ist und über das schon lange gemunkelt wurde. Abonnenten haben eine breite Auswahl an Workouts, die sie von ihrem iPhone, iPad oder Apple TV nutzen können. Aber es wäre nicht Apple, gebe es keine speziellen Bedingungen: Apple Fitness + funktioniert nur im Zusammenhang mit einer Apple Watch, so dass Abonnementen ihre Workout Metriken direkt auf einem der von ihnen gewählten Geräte einsehen können. Diese exklusive Fitnesserfahrung gibt es ab $9.99 pro Monat und wird Ende dieses Jahres verfügbar sein in den USA. Diese Neuigkeit hat für einen weiteren Aufschrei in der Abonnement-Service-Industrie gesorgt- vor allem bei der direkt betroffenen digitalen Fitness Industrie. Apple dringt in einen neuen Markt ein – gewappnet mit seinem eigenen fancy Fitnessstudio, eigenen Fitness Trainern und verschiedenen Programmen mit einer Vielzahl an Workouts von HIT bis Yoga. Das ist eine große Konkurrenz für diverse Fitness Services, wie z.B. Nike Training Club, Fitbit und Peloton. Peloton konnte es sich nicht verkneifen und feuerte einen bissigen Kommentar gegen Apple auf Twitter, bei dem das Unternehmen Apple in der Welt des digitalen Fitness auf sarkastische Weise willkommen heißt. Obwohl Peloton, ein amerikanisches Unternehmen, das Heimtrainer und Online Spinning Kurse anbietet, einen klaren Vorteil gegenüber anderen Fitness Services hat, indem Software und Hardware (mit eigenen Fahrrädern und Laufbändern) kombiniert werden. Das ist nicht nur ein Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Fitness Services, sondern auch gegenüber Apple Fitness Plus. Es bleibt abzuwarten, wie stark Fitness Services von Apple’s Markteintritt betroffen sein werden und ob die Befürchtungen der Anbieter, Kunden an Apple Fitness Plus zu verlieren, wahr werden sollen. Die Nachfrage bestimmt das Angebot – am Ende werden die Konsumenten entscheiden, wer das Rennen macht.

Apple hat mit dem smarten Move, seine eigenen Abonnement Services anzubieten, auf jeden Fall eine starke Grundlage geschaffen, um mit anderen digitalen Fitness Services zu konkurrieren: Dadurch, dass der Konzern in der Lage ist, seine eigene App im App Store zu veröffentlichen ohne dabei die 30-Prozent Gebühren zu zahlen, die jedem anderen Unternehmen zur Veröffentlichung einer App im App Store auferlegt werden, verschafft es sich einen starken Wettbewerbsvorteil und baut seine Marktmacht weiter aus.

Quelle: Apple

Launch von iOS 14

Der plötzliche Launch von iOS 14 war eine tolle Neuigkeit für Nutzer, weniger aber für Entwickler: Apple hat die neuste Version seinesBetriebssystems für iPhones, iPads, Apple TVs und Watches nur einen Tag vor dessen Veröffentlichung angekündigt. Während dem Event hieß es plötzlich, dass neue Betriebssystem wird ab dem folgenden Tag (dem 17. September) verfügbar sein für alle. Mit dieser kurzfristigen Ankündigung wurden Entwickler in die Bredouille gebracht, Updates an ihren eigenen Apps so schnell wie möglich fertigzustellen, damit ihre Apps mit dem neuen System kompatibel sind. Diese Ankündigung kam sehr überraschend, Entwickler hatten angenommen, sie hätten ein bis zwei Wochen, um die letzten Updates zu Ende zu bringen. Hinzu kommt, dass Apple von Mittwochabend (16. September) 23 Uhr an, nur Updates in seinem App Store akzeptiert, die unter der Verwendung der aktuellen Version von Apple’s Coding-Tool entstanden sind.

Da Apps beim Einreichen auch noch Apple’s Überprüfungsprozess durchlaufen müssen, war das ein relativ kurzes Zeitfenster. Entwickler haben sich über diesen unnötigen Stress beschwert und die Kritik ist lauter geworden. Es bleibt offen, warum sich Apple dazu entschieden hat, iOS 14 so spontan herauszubringen und noch dazu so kurzfristig anzukündigen, da es keine neue iPhone Hardware gibt, für die ein neues Betriebssystem zwingend notwendig ist. Auf Apple’s Website findet Ihr alle neuen Features von iOS 14 im Überblick.

Neue Apple Watches: Watch Series 6 + Watch Series SE

Nicht nur eine, nein, gleich zwei neue Watches hat Apple vorgestellt. Sie sind mit einem neuen Design und ein paar neuen Funktionen versehen – hierbei sprechen wir allerdings nicht von grundlegenden Überarbeitungen. Apple bleibt dem wesentlichen Gerüst der Apple Watch treu, Updates wiederholen sich und Upgrades sind eher unscheinbar.


Bei der Watch Series 6 sticht die neue Funktion zur Messung des Sauerstoffgehalts im Blut heraus. Nutzer können die Uhr so einstellen, dass sie ihre Sauerstoffkonzentrationen über den Tag oder die Nacht hinweg überprüft. Neben der Apple Watch Series 6, hat Apple die Apple Watch SE vorgestellt. Bei diesem Modell gibt es alle wesentlichen Funktionen zu einem geringeren Preis. Die Watches sind zu einem immer wichtigeren Teil der Einnahmen von Apple geworden, da sie eine weitere Verkaufsmöglichkeit für diejenigen bieten, die ihre iPhones als Teil der Wearables-Kategorie des Unternehmens, zu der auch die AirPods Bluetooth-Kopfhörer gehören, länger behalten.

Watch Series 6

Quelle: Apple

Watch Series SE

Quelle: Apple

Neue iPads: iPad der 8. Generation + iPad Air

Das neue iPad der 8. Generation sieht genauso aus wie sein Vorgängermodell, iPad 7. Das große Upgrade ist der Geschwindigkeitsschub. Mit dem A12 Bionic bietet das neue iPad-Modell Nutzern nun ein noch leistungsstärkeres Erlebnis bei bestimmten Tätigkeiten. Der Chip sorgt für schnelleres Gaming, eine bessere Grafikleistung beim Gamimg und eine bessere Grafikverarbeitung von hochauflösenden Inhalten in Apps, die Bildbearbeitungs- oder Grafikdesignfunktionen abwickeln. Da es zum gleichen Preis wie das Vorgängermodell angeboten wird, ist es ein recht guter Deal.

Das iPad Air wurde deutlich modernisiert. Mit Änderungen des Designs gegenüber dem aktuellen Air, ähnelt es nun dem iPad Pro. Abgesehen vom Design wurde es mit einem neuen Prozessor aufpoliert. Dank eines neuen Vierkern-Grafikprozessors verspricht Apple eine 40-prozentige Leistungssteigerung gegenüber dem letzten iPad Air und eine verbesserte Grafikunterstützung. Laut Apple ist dies der „fortschrittlichste Chip“, den das Unternehmen je hergestellt hat.

 iPad der 8. Generation

Quelle: Apple
Quelle: Apple

Mit seinen neuen Produkten und Services setzt Apple neue Standards und mischt die Szene gewaltig auf – mal wieder. Lasst uns wissen, was Ihr darüber denkt. Wird Apple die Oberhand über Abonnement-Services gewinnen oder werden mehr Firmen den Vorreitern wie Epic Games, Fortnite Macher, und Spotify folgen, um Apple und seinen monopolistischen Praktiken den Kampf anzusagen? 

Like this post? Don't forget to share it!

Share on linkedin
LinkedIn
Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter

You may also like...